Mythen aus dem Pflegebereich – und die Tatsachen

In der Pflege verdient man wenig, man kann sich nicht weiterentwickeln und mit 30 ist der Rücken kaputt – die Liste der Mythen über die Pflege ist lang. Wo sie herkommen? Wir wissen es nicht genau. Möglicherweise von Menschen, die den Pflegeberuf gar nicht wirklich kennen. Wir haben uns 7 der gängigsten Mythen angeschaut – und dir die Tatsachen gegenübergestellt.

1. Man verdient in der Pflege weniger als in anderen Berufen

Das kann man so nicht sagen. Die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger zählt zu den bestbezahlten in Deutschland. Im ersten Lehrjahr sind dies 1.010 Euro, im zweiten Ausbildungsjahr 1.072 Euro und im dritten sogar 1.173 Euro. Nach der Ausbildung steht dir bei einem freigemeinnüzigen Arbeitgeber wie den Barmherzigen Brüdern ein Gehalt nach Caritas-Tarif AVR zu. Das Einstiegsgehalt bei einer Tätigkeit auf Normalstation liegt bei etwa 2.400 Euro im Monat. Außerdem zahlen die Barmherzigen Brüder obendrauf jeden Monat 4,8 Prozent deines Bruttogehalts in die Zusatzversorgungskasse (ZVK) ein. Auch wenn du jetzt natürlich noch nicht an deine Rente denkst, später mal wirst du dich sicher über eine zusätzliche Auszahlung sehr freuen. Für immer mehr junge Menschen hat darüber hinaus nicht das Gehalt oberste Priorität, sondern die Sinnhaftigkeit dessen, was man tut oder auch die Wertschätzung der Menschen, mit denen man jeden Tag zu tun hat. Gerade hier hat der Pflegeberuf enorm viel zu bieten. 


2. Man hat kaum Möglichkeiten der beruflichen Weiterentwicklung

Die Wahrheit ist: Kaum ein Arbeitsumfeld bietet so viele Möglichkeiten zur persönlichen und beruflichen Entfaltung und Weiterentwicklung wie die Pflege. Examinierte Pflegekräfte können in den unterschiedlichsten Einsatzbereichen und den unterschiedlichsten Funktionen arbeiten.Von der normalen Stationspflege (nach abgeschlossenem Examen) über die Stationsleitung (weiterführender Stationsleiterlehrgang) bis hin zur
Pflegedirektion (Pflegemanagementstudium). Per Fachweiterbildung (z. B. Intensivpflege, Anästhesie und Intensivpflege, OP) oder Zusatzqualifikation kannst du deine Kompetenzen kontinuierlich ausbauen. Mit Fach-/Abitur ist es sogar möglich, parallel zum Dienst oder sogar bereits parallel zur Ausbildung an der Hochschule „Pflege Dual“ oder „Pflegemanagement“ zu studieren. Auch eine Weiterbildung im Bereich Pflegepädagogik/ -wissenschaften ist möglich. Und noch etwas: Pflegekräfte sind überall gesucht. Egal an welchen Ort dich das Leben treibt, in der Krankenpflege bist du überall gefragt.


3. Man muss viele Überstunden machen und an Weihnachten arbeiten

Überstunden kommen auch in unseren Häusern vor. Sie sind aber nicht die Regel. Mit unserem Personalschlüssel ist der 3-Schichtbetrieb stabil realisierbar. Wenn Personalausfälle auftreten, die über den normalen, planbaren Rahmen hinausgehen, müssen diese mit Überstunden kompensiert werden. Diese werden aber auf viele Schultern verteilt und voll ausgeglichen. Richtig ist, dass der Pflegedienst auch zu Zeiten aufrecht erhalten werden muss, wo andere Feierabend haben oder sich vor dem Christbaum treffen. Aber das ist in vielen Berufen so. Auch hier gilt: mit unseren Dienstplänen und flexiblen Arbeitszeitmodellen sorgen wir dafür, dass in der Dienstgemeinschaft niemand benachteiligt wird und möglichst viel Zeit für Hobbies, Sport und Familie bleibt.


4. Die Menschlichkeit bleibt im Pflegealltag auf der Strecke

Ganz im Gegenteil. Die Pflegeperson ist und bleibt die wichtigste Bezugsperson für den Patienten in seiner Ausnahmesituation. Manche meinen sogar die Pflegekraft sei der „Anwalt der Patienten“. Wie auch immer, die Zwischen-/ Menschlichkeit ist ein wichtiger und entscheidender Faktor im Genesungsprozess. Der pflegende, mitfühlende Mensch wird nie von einer Maschine ersetzbar sein. Und schon gar nicht bei den Barmherzigen Brüdern.


5. Der Pflegeberuf ist in der Gesellschaft nicht gut angesehen

Das hören wir oft. Aber es ist ein typisches Klischee, das von der Realität längst überholt worden ist. Der Pflegeberuf ist heute einer der qualifiziertesten und verantwortungsvollsten Berufe in unserer Gesellschaft und wird auch so wahrgenommen. Ob bei den Patienten oder in der Öffentlichkeit: Überall erfährt unsere Arbeit viel Wertschätzung, denn sie ist enorm wichtig. Frage dich doch selbst einmal, ob du jemanden kennst, der im Pflegebereich arbeitet. Und, wie siehst du selbst sein/ihr Engagement? 


6. Man muss ständig schwer heben und bekommt nach wenigen Jahren Rückenprobleme

Kaum jemand ist so stark, dass er einen Patienten hochheben kann. Das ist auch nicht nötig. Pflegeschüler lernen bereits in der Ausbildung rückenschonend und kräftesparend zu arbeiten und zum Beispiel bei der Umlagerung der Patienten Technik und Köpfchen anzuwenden statt Muskeln und Kraft. Das reicht von einfachen, aber sehr wirksamen Hilfsmitteln bis hin zum Einsatz von technischen Hebevorrichtungen. Außerdem werden die Azubi in Wahlpflichtkursen zur Gesunderhaltung durch Sport und ausgleichende Aktivitäten sensibilisiert. Das findet man in dieser intensiven Form in kaum einem anderen Beruf.


7. Der Pflegeberuf ist nichts für (ganze) Männer

Tatsächlich gibt es in der Krankenhauspflege deutlich mehr Frauen als Männer. Aber kann man deshalb einfach so sagen, dass dieser Beruf nichts für Männer ist? Nein, gar nicht. Der Pflegeberuf wird dir eine Menge abverlangen. Manchmal wirst du an deine Grenzen stoßen und du musst über dich hinauswachsen. Die Pflege im Krankenhaus ist ein tougher Beruf, der dir gleichzeitig viele Entwicklungs- und Qualifikationsmöglichkeiten bietet. Auch der Freundeskreis unserer Schüler und jungen Mitarbeiter reflektiert deren Berufswahl sehr positiv. Ob im Fußballverein oder bei den „harten“ Eishockey-Jungs, immer wieder ist zu hören: „Ich könnte das nicht. Aber ich finde es super, dass du das machst!“